Samstag, November 13, 2004

Quellen zur Inhaltsanalyse im Internet

Unter inhaltsanalyse.de gibt es ein gutes Lexikon, Links und Bbibliographie, der Schwerpunkt liegt aber auf der computergestützten Inhaltsanalyse.
Es gibt ein Arbeitsblatt von W. Stangl das jedoch nur als Kurzüberblick dienen kann, sowie Vorlesungsfolien von J. Reinecke (Direktlink PDF) die jedoch auch etwas knapp ausfallen.
Hat sonst noch wer was gefunden?

Freitag, November 12, 2004

Stichprobenziehung 2

Nochmal so nachgedacht: Wenn wir etwas über den Status-quo alternativer Medien im Internet sagen wollen, kommen wir um eine Zufallsstichprobe nicht herum (ok, wenn jemand sagen kann wie eine geschichtete SP auszusehen hat, auch das. Freiwillige vor.) Selbst wenn wir uns von gängigen Qualitätsstandards lösen und bspw. nur untersuchen, in wie weit die Brecht'sche Forderung, den Rezipienten zum Mit-Sender zu machen, umgesetzt ist, werden wir wohl feststellen, dass von uns aufgrund ihrer höheren Qualität und/oder weiteren Verbreitung (bspw. per Google-Ranking) ausgewählten Seiten auch tatsächlich besser sind. Damit ist wissenschaftlich kein Blumentopf zu gewinnen.
Ok, rein theoretisch könnte man eine Eingrenzung nach Renner (deren Problem ja eben ist, dass sie qualitative Aspekte wie "monothematisch" oder "politisch unabhängig" in den Versuch einer Abgrenzung nach formalen Gesichtspunkten einbringt) als "untere Grenze" eines Segments auffassen. Nur wissen wir nicht (und werden wir nicht wissen können) ob dieses Segment Teil eines Kontinuums ist (dann könnte man Trends extrapolieren und – vorsichtig – auf das Gesamt der alternativen Medien generalisieren) oder sich qualitativ vom Rest unterscheidet. (In Analogie zur Befragung: wir wissen nicht, ob wir die Besucher des Altstadtfestes oder die der Weihnachtsmesse im Kölner Dom zu ihrer Religiösität befragen.)
Angenommen wir nehmen hin, dass wir die "besten" alternativen Medien untersuchen und konzentrieren uns darauf, dass wir diese daraufhin untersuchen, ob sie den Ansprüchen "alternativer Medien" (nach Brecht et al.) gerecht werden, stellt sich die Frage "in relation to WHAT?". Es ist ja schön und gut wenn wir herausfinden indymedia hat x% meinungsbetonte Artikel, aber ohne die entsprechende Zahl aus einem etablierten Medium sagt das wenig aus. Und irgendwie hege ich Zweifel, dass jemand genau zu diesem Aspekt eine aktuelle IA vorgelegt hat.

Zusammenfassung:
Repräsentativität ist kaum herzustellen und mit erheblichen definitorischen Problemen verbunden (IMHO, vielleicht nicht für Publizistik-Experten). Also bietet sich ein Vergleich der jeweiligen Prototypen aus alternativen und etablierten Medien an. Damit lässt sich zwar nicht auf alternative Medien im Allgemeinen generalisieren, aber man könnte die intuitive oder theoretische Abgrenzung durch inhaltsanalytisch erhobene Daten untermauern bzw. überprüfen. ("Leisten alternative Medien dass, was sie gemäß der Theorie alternativer Medien leisten sollen?")
Dementsprechend wäre interessant:
indymedia, x-berg (alt. politisch), npla.de, quantara.de (alt. Ausland) vs. SZ-online, welt-online (weil's dazu eine Diplomarbeit von M. Zimmerman von 2001 gibt), sowie zwei Lokalzeitungen im Netz. Dann hätten wir vier Kategorien und könnten Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraussuchen und interpretieren.
Zeitlich wären drei Stichtage im Abstand von (bspw.) 5 Tagen gut und wohl auch machbar.
Meinungen dazu?

Stichprobenziehung 1

Ein erster kurzer Überblick bspw. im Google Verzeichnis oder bei Metafilter zeigt auffällig viele linke, linksalternative Seiten. Ich habe nach subjektivem Empfinden alle weggelassen, bei denen nicht zumindest der Versuch der Neutralität unternommen wird. Weiter fanden sich diverse Seiten, die sich speziell mit einem Thema (Ökologie, Wirtschaft, Computer) auseinandersetzten. Diese wurden ebenfalls weitgehen ausgeschlossen. Interessanterweise neige ich dazu Seiten, die sich mit geographisch oder politisch begrenzten Regionen des Auslands befassen aufzunehmen, sofern aus dem entsprechenden Raum über mehr als ein Thema (Politik UND Kultur etc.) berichtet wird.
Diese Vorselektion macht allerdings eine Bewertung hinsichtlich "Themenvielfalt" und "Meinungsvielfalt" problematisch, weil die in diesem Sinne "schlechten" Seiten schon in der Vorauswahl wegfallen.
Links: (in Klammern gesetzte Beschreibungen sind von mir):
Ausland:
palaestinanews.de
ila - Lateinamerika - Politik, Wirtschaft, Kultur und soziales Engagement
zenith – Zeitschrift für den Orient
Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt
Nachrichtenportal Lateinamerika
Uni und Wissenschaft
Philtrat (Philosophisches und Lokales von der Uni Köln)
Wechselwirkung (aktuelles aus der Wissenschaft)
DAAD (Magazin des deutschen akademischen Austauschdienstes)
Primär politische Seiten
de.indymedia.org.
nadir.org
x-berg.de Portal für Gesellschaftskritik
blaetter.de - Blätter für deutsche und internationale Politik
Kommune _ Forum für Politik-ökonomie-Kultur
Tacheles-Regional Zusammenschluss regionaler linksalternativer Aktionsgruppen
Zeitungsähnlicher Themenmix
nensch.de
ngo-online.de
raumzeit-online.de
Telepolis (Heise)
Freitag 47 Die Ost-West Wochenzeitung
Sonstiges
freie-radios.net

Literatur 2

Wirth, W. & Lauf, E. (Hrsg.) (2001). Inhaltsanalyse: Perspektiven, Probleme, Potentiale. Köln: Halem.
Der Sammelband ist als Einführung ungeeignet, fast jeder Beitrag beschäftigt sich mit sehr speziellen Fragestellungen und Problemen, die für die fortgeschrittene Auseinandersetzung mit dem Thema sicher gewinnbringend sind, für "Anfänger" jedoch mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten.
Für unser Seminar findet sich aber mit Rössler, P. & Wirth, W. (2001) Inhaltsanalysen im World Wide Web. in Wirth, W. & Lauf, E. (Hrsg.) Inhaltsanalyse: Perspektiven, Probleme, Potentiale. Köln: Halem. S. 280 - 302 ein kurzer Text der sich mit spezifischen Problemen der IA im Internet befasst.
Seibold, B. (2002). Die flüchtigen Web-Informationen einfangen. Publizistik 1(47), S. 45 - 56
Schlägt in die selbe Kerbe wie der Text von Rössler und Wirth. Auf S. 54 findet sich eine kurze Übersicht (die auch in unserem Referat vorkommt), wer dazu gerne noch etwas mehr Hintergrund möchte sollte den Artikel lesen.
Berelson, B. (1952). Content analysis in communication research. New York: Hafner.
Der Klassiker schlechthin ... verdientermaßen. Anhand enorm vieler Beispiele werden im ersten Teil des Buches verschiedene Varianten der Inhaltsanalyse aufgezeigt. Der zweite Teil ist der qualitativ-quantitativ Debatte gewidmet, der dritte gibt eine kurze Handanweisung zur Durchführung von Inhaltsanalysen. Leider ist gerade in diesem letzten Teil der Text nicht sehr gut auf "Anfänger" zugeschnitten oder zumindest weniger gut als in Büchern, die explizit als Lehrbücher konzipiert sind und von jahrzehntelanger Rezeption und Anwendung der Methode profitiert haben. Leider nur für Liebhaber empfehlenswert.

Donnerstag, November 11, 2004

Literatur

Hier mal ein kurzer und subjektiver Literaturüberblick:
Bonfadelli, H. (2002). Medieninhaltsforschung. Konstanz: UVK S. 79 - 108
kurze Einführung. Klar, anschaulich, sehr viele Beispiele. Empfehlenswert
Früh, W. (2004). Inhaltsanalyse. (5. Aufl. identisch mit Früh, 2001). Konstanz: UVK
Bullshit. In der ersten Hälfte des Buches finden sich allgemeine Erörterungen zur IA. Leider wird der eigentlich relevante Inhalt von einem Beitrag zur theoretischen Debatte qualitativ vs quantitativ verdeckt. Dieser Beitrag geht nicht über das "conventional wisdom" von 1981 (Erstveröffentlichung) hinaus, enthält eine Reihe von Fehlern und offenbart die Unkenntnis des Autors bzgl. anderer Beiträge, vor allem aus den Nachbarwissenschaften. Insofern ist dieser Teil nur für "Kenner" der entsprechenden Diskussion interessant und hat auch für diese vor allem Unterhaltungswert.
Im zweiten Teil folgt eine Erläuterung der Inhaltsanalyse(n) an praktischen Beispiel. Gut daran ist, dass sehr ausführlich kommentiert wird, schlecht ist, dass die Ausführungen von Früh sind. Es gelingt ihm einfach nicht Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und in klaren Worten zu sagen was Sache ist. Stattdessen verharrt er im Selbstgefälligen und im Ungefähren. Insgesamt ist der erst Teil katastrophal, der zweite erträglich und wohl für den ein oder anderen von Nutzen. Insofern, sehr bedingt empfehlenswert.
(Besonders übel ist Früh's unsinnige Formel zur Inter-Koder-Übereinstimmung (Reliabilität). Bonfadelli und Brosius & Koschel sind genauso ahnungslos. Ich empfehle Cohen's Kappa (bei Bortz bzw. Bortz & Lienert nachzulesen); Edmund Lauf hat sich 2001 in ".96 nach Holsti". Publizistik, 1(46). S. 57 - 68 umfangreichere Gedanken gemacht.)
Pürer, H. (2003). Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Konstanz, UVK. S.549 - 558
wie Bonfadelli: kurz, knapp, aber weniger auf die konkrete Umsetzung ausgerichtet, sondern mehr darauf, die IA in den Rahmen der kommunikationswissenschaftlichen Methoden einzuordnen. Wer gerne etwas mehr Kontext hätte als bei Bonfadelli, aber Früh nicht lesen möchte ist hier sehr gut bedient, als "Handanweisung" zur konkreten Durchführung eher weniger geeignet.
Brosius, H.-B., & Koschel, F. (2001). Methoden der empirischen Kommunikationsforschung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. S.156 - 203.
Gut. In Kapitel 10 wird die Inhaltsanalyse innerhalb der KW-Methoden verortet, Kapitel 11 erläutert die wichtigsten Schritte und Konzepte anhand einer schrittweisen Einführung, die immer wieder durch theoretische Einschübe unterbrochen wird. Kapitel 12 ist der Computer-gestützten IA gewidmet und weniger relevant. Problematisch ist IMO neben einigen Ungenauigkeiten (siehe Anmerkung bei Früh) vor allem der etwas zu leserfreundliche Stil. Der Text liest sich so flüssig, dass kritischen Begriffen, Definitionen oder Konzepten unter Umständen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil subjektiv der Eindruck ensteht, man habe ohnehin alles verstanden. Wer mit solchen Texten gut umgehen kann ist hier aber gut bedient.

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